tobias hülswitt

Dezember 8, 2008 § Ein Kommentar

im online-standard fiel ich vor kurzem über einen unfassbaren artikel über amerika, einsamkeit usw. unfassbar deshalb, weil der autor des artikel, tobias hülswitt, offensichtlich ein meister der schreibkunst ist. wer will kann ja nachstehenden auszug aus „die einsamkeit von amerika“ vom 5. dezember, gefunden auf derstandard.at lesen.

Was Henry David Thoreau über Philosophie, Dichtkunst und Religion sagt, gilt für alles andere Amerikanische auch, wobei mit „Höhen“ freilich nicht das Beste gemeint sein kann, sondern die Dimension. Die Vereinigten Staaten, die für gewöhnlich gemeint sind, wenn wir Amerika sagen, bringen alles, was sie hervorbringen, in Dimensionen hervor, die uns Europäern fremd sind. Sie bringen einen George W. Bush hervor, und sie bringen einen Obama hervor. Sie stehen auf den Fundamenten der Bill of Rights Thomas Jeffersons und errichten Guantánamo. Sie tragen in Teilen die Züge eines Dritte-Welt-Landes, und zugleich ist ihre Börse der Leitindex der Weltwirtschaft. Alles, was in den USA Existenz annimmt, tut dies in großem Stil.

Verantwortlich dafür ist die Landschaft. In Europa sind es die Niedrigkeit des Himmels und der Reichtum an Details auf engstem Raume unter ihm, die unser Denken kleinmütig und penibel, aber auch differenziert und präzis werden lassen. In den USA sind es die Höhe des Himmels, die Weite des Landes mit seinen wilden Leerstellen und die Kompromisslosigkeit der endlosen Landschaften, die die Maßlosigkeit, Wildheit und Pragmatik des Denkens hervorbringen – Pragmatik, weil in diesen Weiten überlebt werden muss, und Denken, das weder praktischen Nutzen erkennen lässt, noch Weite und Wildheit widerspiegelt, wirkt nutzlos und arrogant (also europäisch). Die Landschaft bringt Freiheit, Möglichkeiten und: Einsamkeit.

wems so wie mir gefällt dem seien einige bücher von tobias hülswitt nahegelegt, alles zu finden auf seiner homepage.

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§ Eine Antwort auf tobias hülswitt

  • helpstring sagt:

    Was Tobias Hülswitt sagt scheint gut und richtig zu sein – hier ein Auszug aus „A Short History of the United States“ wo es um „Discover and Settlement of the New World“ geht. Also um die Zeit wo die europäischen Siedler sich ausbreiteten:
    „The area was named Carolina after
    Charles’s wife, Queen Caroline. One distinctive feature of this proprietary
    colony was the plan of government drawn up by one of the proprietors,
    Anthony Ashley Cooper, the earl of Shaftesbury, and his
    secretary, John Locke. It was called the Fundamental Constitutions of
    Carolina, and it attempted to engraft in America a feudal system with
    a sharply defi ned social structure, including titles, and a similar hierarchical
    judicial system. Although it recognized and legalized
    slavery—Carolina was the first colony to do so openly—it did provide
    for religious freedom and a representative assembly. Settlers were
    drawn to this inviting area, but they disregarded the feudal aspects—
    which could never take root in America, because of the vastness of the
    land—and enjoyed the more liberal attractions of the Fundamental
    Constitutions. By the end of the century some 50,000 colonists populated
    the region. But they tended to concentrate in two areas: one to
    the north around Albemarle Sound, in what is presently North Carolina;
    and one 300 miles to the south around a community named after
    the king, Charles Town, today’s Charleston. Both areas prospered and
    enjoyed increased migration from other parts of the English colonies.“

    Auch hier wird von „vastness of the land“ gesprochen, was tatsächlich einen Einfluß auf die – na sagen wir mal politischen – Verhältnisse der damaligen Kolonialstrukturen hatte.

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