emergency room

Juni 26, 2007 § 3 Kommentare

gestern abend, so um 22.00 uhr wars, hab ich zufällig ausm fenster gschaut. bemerk das vis-a-vis einige autos stehenbleiben und leut schauen und anscheinend ein mann am boden liegt. denk mir der steht gleich wieder auf, tut er aber nicht. also hupf ich in meine hosn und lauf runter. so und jetzt gehts los: dort angekommen kniet eine frau bei dem mann. ich sag halt (was soll ich sonst sagen) den klassiker: was isn passiert? ich bin arzt.
schaut mich die mißtrauisch an und fragt ob ich überhaupt schon fertiger arzt sei. mein bejahen macht sie noch mißtrauischer. ich schau ziemlich jung für einen arzt aus.
dann hats ma greicht. die werte dame, anfang vierzig, hab ich dann doch ziemlich zusammengeputzt weil 1. liegt da ein mann am boden der aus nase und mund blutet und ich 2. keinen bock hab mich bei irgendwelchen passanten rechtfertigen zu müssen ob ich das und jenes bin.
zusammenfassung: der mann, obdachloser, wurde zusammengeschlagen, ist dann aber bald zu sinnen gekommen und wurde dann mit der rettung ins spital gebracht. nix aufregendes.
die dame entpuppte sich, oho, als rettungssanitäterin. und genauso gscheit hats dahergeredet. mit pseudo-fremdwörtern herumgeworfen und sich a bissl wichtig gmacht. dann ist die polizei gekommen und dann war sie weg.
so und jetzt zum eigentlichen thema: laienmedizin. ich halt all die wärmetherapeuten, kraniosacral-heiler, wirbelsäulen-verschieber, pseudo-pflanzen-magier und was es da nicht noch alles gibt, nimmer aus. diese 3-stunden-wifi-kurs-besucher, die dort irgendeinen scheiß über medizin lernen und sich danach für dr.brinkmann halten und alles und jedes besser wissen gehen mir echt schon wohin. klingt oarg, ist es auch.
zurück zum fallsbeispiel: diese rettungssanitäterin hat einen sanitätskurs hinter sich. mehr nicht. hab selbst so einen kurs beim zivildienst gemacht, ich weiß von was ich red. da lernt man halt a bissl was. ich hab auch selbst medizin studiert. und ich weiß auch was man alles nicht lernt nach so einem kurs. jede menge.
das problem ist das all diese leute, die irgendeine mini ausbildung gemacht haben, sei es osteopathie oder sonst was, sich in medizinische dinge einmischen, von denen sie absolut keine ahnung haben. die wissen gar nicht was sie nicht wissen. und dem nicht genug, geben sie ahnungslosen patienten auch noch irgendwelche ratschläge. ich hab selbst im krankenhaus von patienten haarsträubende dinge über solche wunderheiler erzählt bekommen. und das grenzt oft, sehr oft an fahrlässigkeit oder sonst was.
natürlich lernen diese leute bei ihren seminaren über den therapeutisch wertvollen einsatz von pastellfarben was. mehr aber nicht. wenn sie genau das gelernte einsetzen, dann wär das ganz sinnvoll. leider lehnen sich die meisten zu weit hinaus und glauben das sie nach so einem kurs jetzt mediziner sind. und das ist gefährlich. nicht umsonst gibts selbts nach einem 6-jährigen medizin studium noch im anschluß eine mindestens 6 jährige ausbildung zum spezialisten. und selbst danach hat man immer noch nicht ausgelernt. also wie kommt man da auf die idee, nach einem 3 tage kurs auch nur annähernd eine ahnung von medizin zu haben?
ich mein, niemand kommt auf die idee einem baustatiker hineinzureden. oder biochemikern. ja oder rechtsanwälten, ornithologen oder piloten?
der spruch „je weniger man weiß desto mehr glaubt man zu wissen“ bestätigt sich leider immer wieder.

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§ 3 Antworten auf emergency room

  • farmer sagt:

    Klingt sehr einleuchtend, was du da erzählst. Hoffe nur, dass wenn mir mal was passiert, ein richtiger Arzt vorbei kommt 🙂

  • Andreas sagt:

    Exzellenter Artikel – ich kann dir nur zustimmen.
    Da wird oft herumgedoktert – auch oft von absoluten Laien ohne jegliche Ausbildung.
    Ärzten wiederum mit fundierter Ausbildung wird wenig Vertrauen entgegen gebracht. Warum?

    Naja, ich denke Medizin ist keine exakte Wissenschaft (so wie weite Teile der Wirtschaftswissenschaften), sie beruht zumeist auf empirischen Ergebnissen und Erfahrungen.
    Dadurch kommen dann oft Zweifel an den verschiedenen Entscheidungen und Diagnosen von Ärzten auf.
    Ich denke, richtig ist: verschiedene Ärzte haben unterschiedliche Diagnosen und Zugänge zu Problemen.
    Zumeist fliessen hier unterschiedliche Erfahrungen und Ausbildungen mit ein. Es gibt verschiedene richtige Lösungswege für das vermeintlich eine Problem.
    Das heisst für mich: unterschiedliche Diagnosen sind der Normalfall, nicht die Ausnahme und Vertrauen ist bei ausgebildeten Medizinern angesagt.

    Und genauso wie man für einen Haarschnitt dem Friseur und nicht dem Installateur vertraut sollte man dem Arzt bei medizinischen Anfragen vertrauen – die medizinisch unausgebildeten Kollegen oder Freunde sind da meist die falsche Ansprechperson.

    Auweh – jetzt hab ich mich aber ganz schön ausgelassen 😉

    LG, Andi

  • Pippone sagt:

    das sind kommentare die man gerne liest

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